Hintergrund zu Seelenfänger


Wie die Geschichte entstand ...

Ich selbst bin oft hin- und hergerissen wenn es um Vampire geht. Zwar mag ich sie an sich, die meisten Geschichten darüber gefallen mir jedoch weniger. Deshalb wollte ich eigentlich eine Kurzgeschichte oder "schlimmstenfalls" einen Kurzroman über das Thema verfassen und es etwas anders angehen. An eine Veröffentlichung dachte ich damals noch nicht und schon gar nicht an einen knapp 480 Seiten langen Roman. Ich hatte eine zentrale Idee im Kopf, die ich niederschreiben wollte, und die sich aber spätestens während der Charakterentwicklungen verselbstständigte. Immer mehr Handlungsstränge wollten erzählt werden und bald war mir klar: das wird ein größeres Projekt.

Die Ausarbeitung des Manuskriptes dauerte mehrere Monate und nach zahlreichen Überarbeitungen, entscheid ich mich, es mehreren Agenturen und Verlagen vorzustellen. Neben vielen negativen oder gar keinen Rückmeldungen, erhielt ich auch eine positive. Ein namenhafter Verlag interessierte sich für meine Idee, allerdings verlangte man von mir, meinen Hauptcharakter zu ändern. Ehrlich gesagt war ich natürlich verlockt. Wer wäre das nicht? Der erste Roman und dann hat wirklich direkt ein Verlag Interesse ... 

Nach reiflicher Überlegung, entschied ich mich dennoch dagegen. Ich hatte die Geschichte geschrieben, weil ich das Thema anders angehen wollte, nun verlangte ein Verlag, dass ich sie so änderte, dass sie doch wieder in die Richtung geht, die ich hatte verlassen wollen. Da ich mir selbst treu bleiben wollte, lehnte ich ab und veröffentlichte mein Manuskript eigenständig.

Mittlerweile ist die zweite, komplett überarbeitete Auflage erschienen. Übrigens arbeite ich gerade an Teil zwei. Das Ende ist also nicht wirklich das Ende, gerne könnt ihr euch auf der Seite des zweiten Teils über die Fortschritte informieren.

 

Namen sind Schall und Rauch. Oder?

Ich gebe zu, nicht jeder Name in meinem Roman hat einen tieferen Sinn. Sind die Charaktere nicht so bedeutend oder haben nur einen kurzen Auftritt, erhielten sie durchaus einfach einen Namen, der mir gefallen hat oder der schlicht, wie ich fand, zu ihnen passte. Manche Namen sind aber nicht zufällig von mir gegeben und weisen schon auf die Charaktere oder das Schicksal der Figuren hin. Wollt ihr wissen welche das sind? Ich stelle euch hier die wichtigsten Namen bzw. Charaktere vor:

 

Richard: Dieser Charakter kommt aus dem Heiligen Römischen Reich, heute würde man sagen, aus Deutschland. Er brauchte also einen alten, deutschen Namen, denn die Geschichte für ihn beginnt mit seiner Geburt 1442 (das wird im Roman übrigens nie explizit erwähnt, im Prolog steht aber sein Alter, man muss also nur etwas rechnen). Richard ist ein Ritter - deren militärische Bedeutung zu dieser Zeit übrigens durch "moderne" Infanterie und Fortschritt der Waffentechnik bereits stark abgenommen hatte - und der vielen ritterlichen Idealen entspricht (Freundlichkeit, Würde, Treue, Tapferkeit etc.). Ich wählte für ihn den Namen Richard, denn dieser stammt aus dem Althochdeutschen und setzt sich zusammen aus: „richi“ = reich, mächtig und „hard“ = stark. Bereits zu Beginn der Geschichte wird er als wohlhabend vorgestellt (er besitzt ein Gut und hat die finanziellen Mittel um nicht auf eine Mitgift angewiesen zu sein). Allein als Ritter hat er eine gewisse Macht inne, in seiner späteren Charakterentwicklung natürlich ebenso. Stark ist er nicht nur körperlich, sondern auch charakterlich, denn er steht zu seinem Wort und kämpft für die, die er liebt und für das, woran er glaubt. Mich persönlich erinnert der Name "Richard" auch direkt immer an den englischen König Richard I. Alleine durch dessen Beinamen "Löwenherz" verbinde ich Eigenschaften wie "Mut" und "Ehre" mit dem Namen - ebenfalls passend für diesen Buchcharakter.

 

William: Dieser Charakter ist Engländer und brauchte daher einen englischen Namen. William ist die englische Version von Wilhelm und bedeutet so viel wie "der entschlossene Beschützer". Und das ist der Charakter in meiner Geschichte durch und durch. Von Beginn an beschützt er seine Familie und das mit so viel Entschlossenheit, dass er sogar sein eigenes Leben in Gefahr bringt. Bei dem Namen "William" denke ich immer sofort an William Shakespeare. Auf den wird in meiner Geschichte auch Bezug genommen, denn Williams Mutter hat ihren Sohn nach ihm benannt. Übrigens trägt William den Familiennamen "Wright". Darin steckt das englische Wort "right", was bekanntlich "richtig" bedeutet. Wer meinen Roman gelesen hat, der weiß, dass William sich sehr oft fragt, was nun die richtige Entscheidung ist. Bei ihm ist also nicht nur der Vorname bewusst gewählt.

 

Marie: Namen können häufig verschieden gedeutet werden. Marie wählte ich aufgrund der ägyptischen Bedeutung. Die Deutungsmöglichkeit dort lautet "Geliebte". Das ist auch die zentrale "Aufgabe" des Charakters in meiner Geschichte. Übrigens mag sich ein aufmerksamer Leser gewundert haben, dass auch Marie Engländerin ist, der Name aber hinten mit "ie" und nicht mit "y" geschrieben ist. Die Endung mit "ie" ist typischer für den deutschen Raum, ein Hinweis dafür, zu wem Marie als Geliebte gehört, schließlich kommt auch ihr Geliebter aus dem heutigen Deutschland.

 

Tristan: Dieser Name lässt sich mit "(Waffen-)Lärm" deuten. In meiner Geschichte ist Tristan Vampirjäger und bekannt für seine Waffen, was der Grund ist, wieso ich für ihn diesen Namen wählte.

 

Der historische Hintergrund

Ich selbst liebe Geschichten, die einen historischen Kontext haben. Sie wirken dann auf mich realistischer und faszinierender. Aus diesem Grund baute ich auch um meine - sonst fiktive Geschichte - einen historischen Rahmen. Wollt ihr wissen welche historische Elemente* meinen Roman schmücken? Hier nenne ich euch einige ...

  • der Teil über Vlad III. Drăculea, allgemein auch bekannt als Vlad Țepeș (postum verliehener Beiname) oder, Dank Bram Stoker, als Dracula (wobei die Vorbildfunktion von Vlad für Bram Stokers Dracula - meines Wissens - nicht gänzlich sicher ist). Auch die Geschichte um seinen Vater und den Drachenorden ist wahr, es gab übrigens auch diese Münze, die Richard Marie gibt
  • Frauen wurden früher - vor allem im Mittelalter - wirklich unter anderem durch gelbe Bänder als Huren gekennzeichnet
  • Jure Grando: er gilt tatsächlich als erster, schriftlich bekannter Vampir
  • Lai-Lai berichtet von dem chinesischen Kaiser "Qianlong", der eine Volkszählung durchführen ließ, weshalb ihr Schöpfer fliehen musste. Qianlong war tatsächlich zu dieser Zeit chinesischer Kaiser und er ließ auch wirklich diese Volkszählung durchführen um gewisse Systeme innerhalb der Bevölkerung effektiver durchsetzen zu können
  • Richard denkt in einer Szene an vergangene und "moderne" Kampfmethoden. Dabei kommt ihm auch die Eroberung einer Burg in den Sinn. In der Tat war es eine Methode, den Gegner mit siedendem Pech zu begießen, wenn er die Burgmauer erklomm
  • Richard erwähnt in einem Gespräch mit William die Schlacht bei Nikopolis (heute Nikopol), in der sein Großvater kämpfte. Diese Schlacht fand 1396 tatsächlich in Bulgarien statt, wo ein Kreuzzugsheer von den Osmanen geschlagen wurde
  • Williams Gefängnisaufenthalt ist inspiriert durch die Bedingungen in Londons Fleet-Gefängnis. Hier konnten Gefangene wirklich durch Gitterfenster Passanten anbetteln und so ihren Aufenthalt angenehmer gestalten bzw. finanzieren

* An dieser Stelle möchte ich trotz meiner Recherchen darauf hinweisen, dass ich für die Richtigkeit der Angaben keine Garantie übernehme.

 

Trivia ...

Ich persönlich liebe jede Art von Hintergrundinformationen und verbringe so einige Zeit damit sie zu lesen. Deshalb möchte ich auch euch ein paar verraten. Natürlich gibt es sehr viele interessante Dinge über ein beinahe 480 Seiten langes Buch zu erzählen, alles zu erwähnen würde aber den Rahmen sprengen. Hier kommen also ein paar ausgewählte:

  • Esurialismeter: in meiner Geschichte handelt es sich hierbei um ein Gerät, das den Hunger von Vampiren anzeigt. "Esurialis" ist lateinisch und bedeutet "Hunger"
  • Richard reitet im Prolog zur "Faraburg". "Fara" ist althochdeutsch und bedeutet soviel wie "Gefahr, Hinterhalt, Hinterhältigkeit, Heimtücke". Der Name weist also schon auf die kommenden Geschehnisse hin ...
  • der Roman beginnt im März - meinem Geburtsmonat
  • der Spruch, den Tristan William nennt um zu den Jägern zu finden, dient wirklich auch einem Haus als Hausspruch. Es steht allerdings nicht wie in meinem Roman in London, sondern in Linz am Rhein
  • Annabells Aussehen ist an das meiner Schwester angelehnt 
  • Johann Schinder lebt in Österreich, als er von seinem Dialekt spricht, meint er seinen österreichischen

 

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